Argentinien als Schüleraustausch-Gastland kommt dir wahrscheinlich nicht als erstes in den Sinn. Das Land ist aber sowohl das zweitgrößte Land Südamerikas als auch nach Costa Rica das zweit beliebteste Ziel für einen Schüleraustausch in Lateinamerika. Wenn du gerne Spanisch lernen würdest, dir aber Spanien „zu nah dran“ ist, ist Argentinien eine tolle Alternative um das südamerikanische Leben kennenzulernen, das durch seine Geschichte viele europäische Einflüsse aufzeigt.

Land und Leute

Wusstest du, dass wenn wir den Begriff „in die Pampa gehen“ benutzen, uns auf die fruchtbare argentinische Grasebene Pampa beziehen? Weil das Land über mehrere Breitengrade ausgedehnt ist, gibt es eine eindrucksvolle Landschaftsvielfalt. Neben subtropischen Gebieten, Bergdörfern, Vulkanebenen und europäisch geprägten Städten gibt es sogar Gletscher in Argentinien. Mehr als drei Viertel der Argentinier stammen von europäischen Einwanderern ab, weshalb Argentinien als das „europäischste Land“ Lateinamerikas gilt. Nur eine Minderheit der Bevölkerung hat indigene Wurzeln, da während der Kolonialzeit die indianische Bevölkerung stark durch Ausrottung betroffen war. Im Land der Gauchos und des Tangos dürfen Traditionen wie etwa die regelmäßigen Asados (Grillfeste) und das Nationalgetränk, der Maté-Tee, der seit einigen Jahren auch in Deutschland angesagt ist, nicht fehlen.

Wissenswertes zum Austausch

Auch wenn du noch kein Spanisch kannst, ist ein Schüleraustausch nach Argentinien nicht ausgeschlossen: Es gibt einige Veranstalter, die dich auch ohne Spanisch-Sprachkenntnisse berücksichtigen. Bei einigen Anbietern ist auch ein Einführungskurs in deiner ersten Woche Auslandsabenteuer im Angebot inbegriffen, damit du leichter in den neuen Schulalltag startest. In Argentinien besteht die Entscheidung für eine bestimmte Region oder Stadt fast überhaupt nicht. Die meisten Organisationen vermitteln aber in die Städte Córdoba und Rosario, sodass du schon ungefähr abschätzen kannst, wo es hingehen wird. Weil die Qualität der öffentlichen Schulen oftmals nicht ganz so gut ist, platzieren die meisten Schüleraustausch-Organisationen deutsche Schüler an halbstaatlichen oder privaten Schulen. Dass du dir selbst eine Gastschule aussuchen kannst, wird nur sehr selten angeboten. Es gibt allerdings einige bilinguale Privatschulen rund um Buenos Aires. Auch Internatsangebote sind in Argentinien mehr als selten. Empfehlenswert ist ein Aufenthalt von drei oder sechs Monaten oder einem Jahr mit einer Ausreise im Juli oder Februar.

Das Schulsystem in Argentinien

Das argentinische Schulwesen ist in eine Grundstufe und eine Spezialisierungsstufe (Educación Polimodal) eingeteilt. Auf die neunjährige Grundstufe folgt die dreijährige Spezialisierungsstufe. Meist wirst du dort je nach Alter in eine der Jahrgangsstufen eingeteilt. Auf der weiterführenden Schule können die Schüler zwischen Natur- oder Sozialwissenschaften, Wirtschaft und Kunst wählen. Optional können auch IT-Fächer, Ökologie, Musik, Sprachen oder Philosophie belegt werden. Das kommt dir entgegen dabei, deinen Stundenplan mit den Anforderungen von der Heimatschule und auch deinen Interessen abzustimmen. Unterrichtet wird in Trimestern immer von März bis Dezember. Im Juli sind zwei Wochen Winterferien. Die großen Sommerferien sind von Mitte Dezember bis Ende Februar, weil wir uns in der südlichen Hemisphäre befinden. Obwohl du in allen Trimestern einsteigen kannst, solltest du dir gut überlegen, wann du dein Auslandsabenteuer genau beginnen möchtest.

Besonderheiten in argentinischen Schulen

Jetzt nicht wundern: Der Unterricht an argentinischen Schulen wird entweder am Morgen oder am Nachmittag stattfinden. Los geht es vormittags schon zwischen 7.15 Uhr und 7.45 Uhr und zwar mit dem morgendlichen Ritual „Saludo de la bandera“: Weil der Respekt der Argentinier vor einheimischen Symbolen sehr hoch ist, wird jeden Morgen begleitet von der Nationalhymne die weiß-blaue Nationalflagge gehisst. Im Gegensatz zu deiner Heimat sind in Argentinien auch Schuluniformen Pflicht. Wie diese aussehen, kann sehr unterschiedlich ausfallen: Manchmal sind Hemd, Krawatte und Blazer vorgeschrieben, manchmal nur ein Polohemd und Sweatshirt. Wenn nachmittags Unterricht ist, geht es um 13 Uhr los und ab 17 Uhr ist dann Zeit für kulturelle oder sportliche Angebote an der Schule wie etwa Theater-Gruppen, Kunstprojekte oder Sportteams. Außerdem unterscheidet sich das Notensystem sehr stark von unserem: Die Noten reichen von 10 bis 1 und bestanden wird ab der Note 6 (60 Prozent), alles darunter bedeutet „durchgefallen“. Die Schulstunden dauern zudem nicht 45 Minuten, sondern 80 Minuten. Danach gibt es jeweils 15 Minuten Pause. Und jetzt kommt noch die erfreulichste Nachricht: So etwas wie Hausaufgaben gibt es in Argentinien nicht!

Was ist Alltag in Argentinien?

Volkssport ist in Argentinien das Fußballspielen. Daher spielen auch viele argentinische Teenager in größeren Gruppen in der Freizeit mit dem runden Lederball. Danach geht man oft eine Mate trinken. Auch Grillabende, die sogenannten Asados, sind sehr beliebt in der Freizeit. Die Mehrzahl der Schüler wohnt um die Städte Córdoba, Salta und Mendoza, da dort die meisten Gastfamilien angesiedelt sind.

Während deines Austausches wirst du sicher schnell mitbekommen, dass in Argentinien die Familien eher groß sind und viele Familienmitglieder unter einem Dach leben. Stell dich also mental darauf ein, dass du eventuell mit den Großeltern zusammenleben wirst oder dir dein Zimmer mit deinen Gastgeschwistern teilst. Vielleicht besuchen die aber auch dieselbe Schule wie du? In Argentinien ist üblich, dass die Familien einen Großteil ihrer freien Zeit miteinander verbringen. Mit ihrem großen Interesse an europäischen Kulturen wird dir deine Gastfamilie das Einleben sicher leicht machen. Und noch ein kleiner Tipp um einen Kulturschock zu vermeiden: In Argentinien spricht und diskutiert man oft ziemlich laut: Dann gilt es nicht zu erschrecken und einfach mitzumachen.

Die Formalia

Wenn du zwischen 14 und 18 Jahren alt bist, kommst du in Frage für einen Schüleraustausch in das südamerikanische Land. Um länger als drei Monate am Stück bleiben zu dürfen, brauchst du allerdings ein Visum, das durch das für deinen Wohnsitz zuständige argentinische Konsulat in Deutschland ausgestellt wird. Aber keine Sorge: Deine Schüleraustausch-Organisation hat das schon oft gemacht und wird dir alle Infos zur Beantragung zu schicken und dich bei der Beantragung unterstützen. Du musst für das Visum und ein notariell beglaubigtes Schreiben zur Einreise nach Argentinien etwa 250 Euro Budget einplanen. Außerdem brauchst du einen gültigen Reisepass und eine private Reisekrankenversicherung. Manchmal ist diese aber auch im Paket deiner Schüleraustausch-Organisation dabei – ein Blick in deinen Vertrag verschafft Klarheit.