Nach England, Irland und Frankreich ist Spanien das viert-beliebteste Ziel deutscher Jugendlicher. Spanien ist aber mehr als nur Urlaub, Sonne und Strand: Das Land hat eine lange Geschichte und abwechslungsreiche Landschaften zu bieten: Das zeigt sich auch an dem Fakt, dass du in deinem Schüleraustausch neben der spanischen Sprache (auch Kastilisch genannt) auch noch die regionalen Amtssprachen Aranesisch, Baskisch, Katalanisch oder Galizisch kennenlernen kannst.

Wann kann’s losgehen?

Spanisch wird an den meisten deutschen Schulen nicht als Sprache angeboten und wenn nur als dritte Fremdsprache. Deshalb werden von dir als Austauschschüler auch keine perfekten Sprachkenntnisse, sondern nur Grundkenntnisse erwartet. Manche Organisationen setzen auch gar keine Sprachkenntnisse voraus. Aber natürlich hilft ein vorbereitender Sprachkurs an der Volkshochschule in der Heimat oder direkt vor Beginn deines Austauschabenteuers, zum Beispiel als Sprachreise. Spanier sind bekannt für ihre offenen Art, die dir, egal ob beim Kochen, Tanzen und auch in der Schule, schnell begegnen wird. Und keine Sorge wenn du nicht immer alles gleich verstehst: Spanisch ist eine der schnellstgesprochenen Sprachen der Welt – wer würde da nicht mal den roten Faden verlieren?

Das spanische Schulsystem

Das Schulsystem funktioniert ähnlich wie in Frankreich. Spanische Kinder besuchen sechs Jahre lang die Grundschule (Educación Primaria). Dann geht es für vier Jahre in die Educación Secundaria Obligatoria (E.S.O.) und dann kann das zweijährige Bachillerato (Abitur) angeschlossen werden. Deswegen wirst du als Austauschschüler auch normalerweise in die 11. Klasse eingestuft. Meist kannst du an der spanischen Highschool dann zwischen drei bis vier verschiedenen Schwerpunkten, nämlich „Naturwissenschaft“, „Geistes- und Sozialwissenschaft“, „Kunst“ oder „Technik“ wählen. Spanisch, Englisch, Literatur, Sport und Philosophie sind fast überall Pflichtfächer. Je nach  Schwerpunkt kannst du zwei weitere Wahlfächer wie etwa Musik, Computerwissen, Religion oder einer weiteren Fremdsprache wählen. Wenn es dich mehr anspricht, kannst du auch eine private Schule besuchen, dort wird teils bilingual unterrichtet und du hast mehr Wahlmöglichkeiten was die Fächer angeht.

Das Schuljahr ist– anders als in deiner Heimat– in Trimestern aufgebaut: Die Schule beginnt im September. Das erste Trimester endet an Weihnachten, das zweite geht von Januar bis März/April und das dritte beginnt direkt im Anschluss und endet Mitte Juni. Nach jedem Trimester-Ende gibt es Zeugnisse. Mitte Juni gibt es, aufgepasst, drei Monate lang Sommerferien! Das hängt natürlich auch mit den relativ heißen Temperaturen in dem südeuropäischen Land zusammen. Als Austauschschüler kannst dir aussuchen, ob dein Abenteuer ein halbes oder ein ganzes Schuljahr dauern soll. Die meisten Schüler gehen direkt im September, aber du kannst auch im Januar einsteigen. Ein Einstieg zum letzten Trimester hingegen ist eher die Ausnahme und wird kaum angeboten.

Unterricht in der neuen Heimat

In Spanien beginnt die Schule nicht um 8 Uhr, sondern erst um 8.30 Uhr und geht meist bis 17 Uhr. Aber Achtung: Zwischen 12.30 und 15.00 Uhr ist überall in Spanien Siesta (Mittagspause) und es findet daher auch kein Unterricht statt. Dann kannst du also gemütlich bei deiner Gastfamilie oder in der Mensa zu Mittag essen, dich etwas ausruhen oder Zeit mit Freunden verbringen. Gut zu wissen: Spanische Gymnasien bieten meist wenig außerschulische Aktivitäten an. Einige Schulen verfügen über eigene Schulmannschaften etwa im Fußball oder Basketball, aber für andere Sportarten oder Hobbies solltest du dir einen Verein in deiner neuen Heimatstadt suchen.

Insel, meernah oder Bergwelt?

Viele Organisationen geben typische Orte für den Schüleraustausch in Spanien an: Das sind etwa die Umgebung von Alicante, Valencia, Madrid, Cádiz, Granada oder Sevilla. Aber auch die kanarische Insel Teneriffa haben einige Organisationen im Angebot. Du kannst dich also entweder für das Land als solches entscheiden (Länderwahl), das ist oft kostengünstiger oder auch gegen Aufpreis eine spezielle Region auswählen (Regionenwahl). Bedenke dabei, dass nicht nur die klassischen Urlaubsgebiete in Spanien an der Küste und auf den Inseln das Land interessant machen, sondern auch der mitteleuropäische wirkende gebirgige Norden spannende Erfahrungen bietet. Der Süden ist von kleinen malerischen Dörfern  geprägt, in der Hauptstadt Madrid findest du das politische Zentrum und im katalanischen Barcelona kannst du zudem die Kunstwelt genauer unter die Lupe nehmen. Und vielleicht nimmt dich deine Gastfamilie ja auch mit auf einen Urlaubstrip auf die Balearen oder Kanaren?

Der Alltag und das Leben in Spanien

Fest steht: Ganz gleich wo genau du in Spanien landest, das Feiern, die Siesta und die Geheimnisse rund um Paella und Tapas wird dir deine Gastfamilie überall näherbringen können. Vor allem die Fiestas, von denen du sicherlich einige erleben wirst, wirst du lieben lernen. Da es mittags oft eher heiß ist, verbringt man diese Zeit oft mit Freunden oder Familie im Schatten. Das Nachtleben beginnt dafür erst relativ spät und geht dafür manchmal bis zum Sonnenaufgang. Generell verbringen spanische Familien sehr viel Zeit miteinander: Sehr viel Wert wird auf das gemeinsame Essen gelegt. Mittagessen gibt es meist erst zwischen 13.30 und 15.30 Uhr und zu Abend wird nicht vor 21 Uhr gegessen. Dafür schließen die Läden auch nicht vor 21.30 Uhr. Wenn du eingeladen bist, wundere dich nicht über das spanische Verständnis von Pünktlichkeit: Die Uhrzeit wir sehr locker genommen, 30 Minuten bis eine Stunde Verspätung sind ganz normal und gelten auch nicht als unhöflich. Kalkuliere das also auch in deine Freizeitgestaltung mit ein: Freunde abends auf den Straßen treffen, Sport machen, einen Film im Open-Air Kino sehen und kleine Ausflüge unternehmen, gehört in deinem Austauschjahr zum Muss.